GEWERBESTANDORT

Im Gebiet der Potsdamer Straße gibt es wohl nichts, was es nicht gibt: 

Vom High-End Designer Andreas Murkudis über das Orienthaus mit arabischen Brautmoden bis hin zum Billiganbieter Woolworth.
Von der Viktoria Bar über die legendäre Raucherkneipe Puschel's Pub hin zu Berliner Kneipen wie dem Café Adler in der Kurfürstenstraße.
Vom gehobenen Restaurant Am Karlsbad über Angebote internationaler Speisen von Äthiopien bis Indonesien hin zu Dönerständen und Currybuden.
Von der best ausgestatteten Evangelischen Elisabeth Klinik über Physiotherapiepraxen wie working-motion hin zu Pathologen.
Von Möbel Hübner über Kunstmöbel in der Pohlstrasse 11 bis hin zu Möbelantiquariaten auf der Potsdamer Straße.
Von der Filmstätte X-Filme über Graphikbüros bis hin zu den um ihre Existenz kämpfenden Freischaffenden der Medienbranche.
Von Drei Sterne Hotels über Ferienwohnungen bis zu Deutschlands größter Jugendherberge in der Kluckstraße.
Von libanesischer Feinkost bei Harb über türkische Gemüsehändler bis hin zum Weingummispezialisten „Naschpirat“.

An der Potsdamer Straße geht es um finanzielle Machbarkeit. Für jeden Geldbeutel und jedes Bedürfnis ist etwas vorhanden. Die Potsdamer Straße ist Nahversorgungsgebiet für die gut verdienenden Bankangestellten und Kreativen, die mittags aus einem internationalen Angebot von Sushi bis Curry Wurst wählen möchten. Die mittelständischen AnwohnerInnen können ihren Alltagsbedarf vom Haare schneiden bis zum Kugelschreiber entlang der Straße decken. Und die Hartz IV empfangenden Anwohnerinnen, die sich an der Kunst nicht satt essen können, haben die Möglichkeit in den Apostelstuben der Zwölf Apostel Kirchengemeinde Donnerstag abends ein mit Liebe zubereitetes drei-Gänge Menü verspeisen.

Ein Bummel auf der Potsdamer Straße vom Kleistpark bis zum Landwehrkanal führt also durch gegensätzliche Kaufwelten.

Im Süden der Straße bis zur Goebenstraße sind die vorherrschenden Verwaltungsgebäude flankiert von einem Afro-Shop, Kedings TV-Technik, einem alteingesessenen Gesundheitsladen und dem schwarzen Aussendesign von Lindemann's Hotel.

Zwischen Goeben- und Alvenslebenstraße überwiegt das mediterrane Element. Nach einem arabischen Frühstück, kann man mittags Falaffel oder japanische Hühnerbrust essen, nachmittags ein italienisches Eis schlecken und abends türkische Fischspezialitäten goutieren.

Zwischen Alvensleben- und Pohlstraße überwiegt der Lebensmitteleinzelhandel mit einer Mischung aus türkischen Gemüsehändlern und REWE Frischemarkt. Daneben decken Dienstleister vom russischen und asiatischen Nagelstudio, über Apotheken, Banken und Schuster den täglichen Bedarf. 

Und wieder wechselt das Klima. In dem nun folgenden Abschnitt von der Kurfürstenstraße bis zur Lützowstraße prägen zum einen Friseure, Kneipen, Cafés, Telefonläden, Second-Hand Läden und ein pompöses Hutgeschäft das Bild. An der Ecke Kurfürstenstrasse bezeugt das Sex-Kaufhaus LSD, dass das Rotlichtmilieu eines der ältesten Gewerbe hier im Gebiet ist. In Berlins größtem Zeichengeschäft Behrends flackern die neon-Schilder, während das legendäre Ave Maria schräg gegenüber im Kerzenlicht schimmert. Galerien zeigen ihre Kunst in ehemaligen Ladengeschäften oder dezent in Obergeschossen.

Hinter der Lützowstraße beginnt eine öde Welt: Leerstand auf der linken Seite und ein eintöniger Zweckbau, der sich bei näherer Betrachtung als Studentenwohnheim entpuppt laden nicht zum Verweilen ein. Preziositäten wie das im Stil der Gründerzeit ausgestattete Hotel Alt Berlin und der alteingesessene Stoffladen Gebrüder Berger fallen da nicht weiter auf.

Die über 400 Medienunternehmen und Medienschaffende, die seit 2007 in der °mstreet zu einem losen Netzwerk vereint sind, fallen im Straßenbild kaum auf. Die Branchen Film, TV Theater, Grafik, Design und Layout sind am stärksten vertreten. Doch ist die Spannbreite so groß, dass man ein gesamtes Medienprojekt mit Dienstleistern im Gebiet realisieren könnte.

Bei unserem imaginierten Spaziergang durch den Standort haben wir die Nebenstrassen vernachlässigt. Während sich nach Osten Mietswohnbestand ausweist, sind nach Westen in der Winterfeldt-, der Bülow-, der Kurfürsten- und der Pohlstraße Läden, Restaurants und Galerien zu finden.

Spannend zu entdecken sind auch die vielen Gewerbehöfe im Gebiet der Potsdamer Straße. Hinzu kommt das ehemalige Tagesspiegel-Gelände, das von Kuthe-Immobilien in einen zentralen Standort für Galerien und Medienschaffende entwickelt wird.

Eine genaue Analyse weist in der bestehenden Branchenstruktur aus Einzelhändlern, Filialisten und Dienstleistern das Überwiegen des Billigpreissegment aus. Insgesamt überwiegt das ethnische Gewerbe und trägt zum einen zur Identifikation der AnwohnerInnen mit dem Gebiet bei und verleiht zum anderen der Potsdamer Straße ihr internationales Flair.